Hamburg ist die
Hafenstadt. Nirgends sonst kann man einen grossen Handelshafen von so
nah bestaunen. Und sich mittendrin auch noch toll amüsieren.
von Christian Röthlisberger*
Grosse
Pötte gucken geht nirgends so gut wie in Hamburg. Obwohl Hamburg nicht
direkt am Meer liegt (sondern 70 Seemeilen davon entfernt), verfügt es
über den zweitgrössten Hochseehafen Europas. Verbunden durch die Elbe
liegt das Tor zur Welt quasi mitten in der Stadt.
An den Hamburger Landungsbrücken legten früher die Linienschiffe an, heute ist das gut einen Kilometer lange Ponton (Hamburg ist ein Tiedehafen) eine einzigartige Hafenbesichtigungsanlage mit dutzenden von Kneipen, Souvenirläden und Fischrestaurants.
Auf
den Landungsbrücken sitzen, ein Bier mit Currywurst oder Kaffee und
Kuchen, den Blick schweifen lassen – ganz grosses Kino. Foto: Christian
Röthlisberger
Hier starten die Fähren in andere
Stadtteile und die Barkassen zu den Hafenrundfahrten. Hier gleiten die
Frachter und andere Ungetüme im Fünfminutentakt vorbei. Direkt
gegenüber befinden sich die grössten Trockendocks Europas, wo auch
schon die Queen Mary auf den Böcken stand. Das alles kann man bei Bier
und Currywurst stundenlang angucken – ganz grosses Kino.
Das
Trockendock Elbe 17 von Blohm + Voss ist eines der grössten in Europa.
Hier stand auch schon die Quen Mary 2 auf den Böcken. Foto: Christian
RöthlisbergerHafenrundfahrten müssen Sie unbedingt zwei
machen. Die "Grosse Hafenrundfahrt" führt durch den "neuen" Hafen. Da
sehen Sie die wirklich grossen Frachtschiffe, diese 300Meter-Giganten,
hautnah. 50 oder 60 Meter ragen sie in den Himmel, tausende von
Container können sie aufnehmen. Dahinter die noch gigantischeren
Krananlagen, die wie von Geisterhand gesteuert hunderte von Containern
pro Stunde umschlagen. Ein Anblick wie direkt aus dem
Globalisierungsbilderbuch.
Die kleinen Barkassen fahren durch die historische Speicherstadt
, das ist nicht minder spannend. Hamburgs Speicherstadt ist der grösste
auf Eichenpfählen gebaute Lagerhauskomplex der Welt, gebaut Ende 19.
Jahrh. auf einer 1.5km langen und ca. 200m breiten Binneninsel der
Elbe. Hier wurden einst ein Grossteil des Kaffes, Tees und der Gewürze
für den Europäischen Markt gelagert, heute sind hier etliche Museen und
Theater zu finden.
Wenn Sie mehr Lust auf Schifffahren im Hafen haben: Fahren Sie mit der Fährlinie 62
ab Landungsbrücken bis rauf nach Finkenwerder und runter bis
Sandtörhoft. Richtung Finkenwerder, vorbei an den schönen
Kapitänsvillen in Altona, legen Sie auf der Rückfahrt beim Museumshafen Oevelgönne
einen Zwischenstopp ein, hier liegen ein paar interessante alte
Schiffe, u.a. der Dampf-Eisbrecher Stettin, Baujahr 1933. Von hier aus
spazieren Sie an der Elbe entlang zurück (30 Min.).
Hamburgs Hafenfähren sind günstig und sie haben sogar ein Sonnendeck. Foto: stoosh/flickrRichtung Sandtörhoft fahren Sie tiefer in den Hafen rein, vorbei am Theater am Hafen , an der spektakulären Elbphilharmonie von Herzog/deMeuron (im Bau), am Kreuzfahrtterminal, wo über 80 Luxusliner pro Jahr anlegen, und an Hamburgs HafenCity, Europas grösstem Stadtentwicklungsprojekt (im Bau).
Zwei weitere Hotspots im Hafen
Der Sonntagsfischmarkt
(jeden Sonntagmorgen 5-10 Uhr), wo die urigsten Marktschreier
Deutschland ihre einmaligen Shows abziehen und wo Nachtschwärmer ihr
Katerfrühstück geniessen. – Der St.Pauli-Elbtunnel
war bei seiner Eröffnung 1911 ein technisches Wunderwerk und ist heute
das wohl unsichtbarste Wahrzeichen Hamburgs. Er wurde gebaut, um die
Elbquerung zu den boomenden Hafen- und Werftanlagen zu vereinfachen und
wird noch heute als Verkehrsweg benutzt.
Im Hafen schlafen
Es gibt zwei Möglichkeiten, direkt im Hamburger Hafen zu übernachten:
Das Feuerschiff
war von 1953 bis 1989 ein fest verankertes Leuchtzeichen auf hoher See
und liegt heute als Restaurant- und Hotelschiff (mit wenigen, aber sehr
gemütlichen Kabinen) im City Sporthafen, ein paar Gehminuten von
Landungsbrücken entfernt.
Die Cap San Diego
ist das das grösste zivile Museumsschiff der Welt. Der Stückgutfrachter
wurde 1962 in Dienst gestellt und fuhr bis 1981 Hamburg-Südamerika. Es
werden Führungen und freie Rundgänge angeboten, es gibt ein Bistro und
ein paar gut ausgestattete Kabinen zum Übernachten.
Der pure Wahnsinn: Miniatur-Wunderland
Das Miniatur-Wunderland
ist nicht nur die grösste Modelleisenbahn der Welt, sondern überhaupt
der pure Wahnsinn. Hier stehen auch erklärte Nichtfans von solchen
Anlagen (wie ich) mit offenem Mund in der Gegend rum.
Eine von hunderten spektakulären Szenen im Miniatur-Wunderland: ein Festivalgelände. Foto: gioanola/flickrDie
mittlerweile rund 170köpfige Crew hat auf weit über 1'000 m2 eine
Modellwelt von unglaublicher Detail- und Realitätstreue geschaffen. Mit
tausenden von handgemachten Figuren und riesigen Landschaften (mit über
300'000 Bäumen), mit spektakulären Brücken und neuestens auch
ferngesteuerten Schiffen. Auf gut 12km Gleislänge fahren 800 Züge, es
hat über 2'000 Weichen, 5'000 Autos und 900 Signale. Die Anlage wird
von 40 Computern gesteuert und man hat hier das weltweit erste und
funktionierende Carsteuerungssystem entwickelt. Dieses erlaubt es,
Modellautos ohne Schienen fahren zu lassen, es werden sogar
Feuerwehreinsätze simuliert. Baukosten bisher: rund 10 Mio. €.
Es
gibt im Miniatur-Wunderland auch einen Abschnitt Schweiz. Dafür wurde
im alten Lagergebäude direkt am Hamburger Hafen ein 100 m2 grosser
Deckendrchbruch gemacht, um die 5-6m hohen Alpengipfel bauen zu können.
Gezeigt wird ferner das Tessin sowie eine Schokoladenfabrik mit echtem
Schokoladenauswurf.
Kurz und gut: Hingehen. Rechnen Sie 3 Stunden ein und gehen Sie früh (Wartenzeiten hier abfragen).
Schlachterbörse – die Institution für Steaks
Der Tresen in der Schlachterbörse, Hamburgs erste Steakadresse. Foto: destinyuk/flickr
Vor 30
Jahren haben Wolfgang und Margrit Süße die Schlachterbörse übernommen. Sie war damals die Kneipe an dem Ort, wo in Hamburg das Fleisch
gehandelt wurde, der Schlachterbörse eben, mitten in Hamburgs Schalchthofviertel. Die Metzger
erschienen in blutverschmierten weissen Kitteln und begossen mit den
Händlern die getätigten Geschäfte.
Heute ist die
Schlachterbörse zum einen ein Promilokal, zum andern eine Topadresse für Steak &
Co. Etwas teurer als in den innerstädtischen Steakhouseketten, dafür
auch viel besser und mit der Option, am Nebentisch von Bill Gates, Bernard Meyer
oder Uschi Glas zu sitzen. In einem Ambiente, das vor Geschichte und
Geschichten nur so strotzt.
Das
Restaurant besteht aus verschiedenen verwinkelten Räumen mit Nischen
und Balkonen. Viel Holz, viel Messing, geschmackvolle Deko. Bei meinem
dritten Besuch setzte sich Kneipier Süße
eine Weile zu mir, erzählte von früher und heute und wollte wissen, was
ich hier treibe. Und wie das Steak gewesen sei. Von einem so bekannten
Promi-Wirt hätte ich das nicht
erwartet. Das Steak war übrigens klasse, der Wein auch, die Bedienung
freundlich und die Atmo auserlesen.
Nachtleben
Ein Speziergang über die Reeperbahn,
Hamburgs sündige Meile, gehört irgendwie dazu. Sie ist schon etwas in
die Jahre und etwas heruntergekommen, und Seeleute trifft man hier auch
keine mehr. Dennoch gibt es da und dort eine gute Currywurst sowie ein
paar nette Restaurants und Bars, aber der grosse Rest besteht aus
Sexbusiness, Spielhallen, Dönerbuden, Souvenirläden und ähnlichen
Etablissements. Es gibt auch ein paar Rock- und Musikclubs und
natürlich das St. Pauli Theater
, eines der ältesten Theater Deutschlands, in dem heute anspruchsvolles
Unterhaltungstheater und Gastspiele von Comedians etc. gegeben werden.
Mit der Hafenfähre ins Musicaltheater – wo gibts das sonst? Foto: variationen/flickrHamburg ist die viertgrösste Musicalstadt der Welt (nach New York, London und Wien). Am spektakulärsten ist sicher das Theater im Hafen , das man per Fähre (ab Landungsbrücken) erreicht. Seit Jahren wird dort das Erfolgsmusical "König der Löwen" gespielt. Drei weitere grosse Musicalstandorte, Opern, Konzerthäuser von Pop bis Klassik runden das Angebot ab.
Das grösste Hafenfest der Welt steigt in Hamburg alljährlich zum Hafengeburtstag anfang Mai (2009: 8.-10.5.). Zu den Highlights gehören die Ein- und Auslaufparade der Großsegler,
Museumsschiffe, Segel- und Motoryachten und anderen Boote, die
Drachenbootregatten, das große Feuerwerk am
Samstagabend oder das weltweit einmalige Schlepperballett am Samstagnachmittag.
Hamburg Links
Offizielle Website der Stadt Hamburg
Veranstaltungskalender beim Hamburger Magazin
PS: Alle Empfehlungen finden Sie auf dieser Google Map.
PS2: Nehmen Sie ein Fernglas mit. Es lohnt sich.
PS3: Noch mehr Lust auf Hafen und grosse Pötte? Machen Sie eine Frachtschiffreise. Lesen Sie hier meinen Reisebericht von einer solchen rund um Dänemark.
*Der Autor: Christian Röthlisberger ist Werbetexter und Blogger in der Schweiz.
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Empfehlung (citytrip admin): Städtereisen nach Hamburg
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