In Luzern sieht man sehr oft "Europe in 10 Days" Reisegruppen. Diese Art des schnellen Europatrips wurde von amerikanischen Reiseveranstaltern in den 70ern Jahren erfunden.
Frei nach dem Motto:
You can do Europe in 10 Days. It´s just a question of organization
reisen sie in grossen Gruppen in Reisecars so schnell durch Europa, dass sie oft gar nicht recht wissen, wo sie gerade sind.
In meiner Tätigkeit in einem Incoming Reiseunternehmen, versuchte ich immer wieder, die Kunden anzuhalten, etwas langsamer durch Europa zu reisen - meist ohne Erfolg.
Die Devise lautete: Möglichst viele Länder, in möglichst kurzer Zeit, zu einem möglichst tiefen Preis.
So wurde z.Bsp. auf der Strecke Luzern - Salzburg ein Stopp in Vaduz eingeplant, um noch ein Land mehr im Reiseprogramm aufzuweisen.
Ich glaubte nicht, dass es möglich ist, noch schneller durch Europa zu reisen.
Dann kamen die Asiaten und setzten neue Massstäbe.
Sie reisen noch schneller, sind noch mehr auf Shopping bedacht und interessieren sich noch weniger für Geschichte und Kultur. (Dies ist ein verallgemeinerter, durchschnittlicher Erfahrungswert und ist nicht wertend gemeint).
Nicht selten verbringen asiatische Gruppen in Luzern nur 1-2 Stunden. Ein Besuch beim Uhrenhändler, ein paar Fotos von der Kapellbrücke. Dann wieder rein in den Reisebus und zum Löwendenkmal. Dort wirft man eine Münze in den Teich, weil man das in Rom am Trevi Brunnen so gesehen hat. Es soll Glück bringen und man darf sich was wünschen.
Dann geht´s weiter auf den Titlis, wohin denn sonst?
Es ist fast unglaublich, wie die Asiaten auf den Titlis abfahren. Was den Japanern die Jungfrau ist, ist den anderen Asiaten der Titlis. Dank hervorragender Marktbearbeitung haben es diese beiden Unternehmen fertig gebracht, einen Besuch auf ihrem Berg für Gruppenreisende aus Asien fast unverzichtbar zu machen.
Das "Europe in 10 Days" Segment spielt sich in Luzern vorwiegend am Schwanenplatz/Kappellbrücke und am Löwenplatz ab. Einige Luzerner ärgern sich über die vielen Reisebusse und dem scheinbaren Chaos, dass sich dort abspielt. Sie wünschen den Massentourismus zum Teufel.
Was viele nicht wissen: Das Geschehen am Schwanen- und Löwenplatz hat ganz klare Regeln. Uhren- und Souvenirhändler wissen ganz genau, wann Gruppen kommen und gehen und zahlen den Reiseleitern für das Führen in deren Geschäfte gute Provisionen.
Ganz grob geschätzt gibt der asiatische "Europe in 10 Days" Tourist in der Innerschweiz ca Fr. 50.- für Übernachtung und Essen, Fr. 50.- für den Titlis und ca. Fr. 100.- für Uhren, Souvenirs und Schockolade aus.
Auch wenn ein asiatischer Massentourist nur kurze Zeit in Luzern und der Innerschweiz verweilt, so gibt er doch recht Geld aus und unterstützt damit unsere Wirtschaft.
Für sehr wichtig halte ich den ... "I have been there and I will go back again" - Effekt.
Für jede Tourismusregion ist es wichtig, Massenreisende aus Wachstums- und Schwellenländern anzusprechen. Der Mensch ist ein "Wiederholungstäter" und es ist erwiesen, dass er gerne an den gleichen Ort zurückreist, vorausgesetzt, er verbindet damit gute Assoziationen. Deshalb ist es wichtig, auch Reisende in grossen Gruppen willkommen zu heissen.
Nicht wenige der heutigen Individualtouristen in Luzern, sind ehemalige Gruppenreisende, oder anders ausgedrückt:
Der Massentourist von heute ist der Individualreisende von Morgen.
citytrip.ch 20Aug08 Ralf






