Wer sich aus Schweizer Sicht unabhängig über zu bereisende Länder informieren will, ist auf der Webseite Reisehinweise des Schweizer Aussenministerium EDA bestens bedient.
Man findet dort Tipps vor der Reise wie z.Bsp. Informationen über Gesundheitsrisiken, Einreise- und Aufenthaltsvorschriften und auch Schweizer Einfuhrbestimmungen, für Waren, die im Ausland gekauft wurden.
Sehr wertvoll sind die Informationen über die sicherheitspolitische Lage von Hochrisikogebieten. Obwohl das EDA keinerlei Weisungsbefugnis gegenüber Veranstaltern, Versicherungen und Personen ausübt, gelten diese als absolut richtungsweisend. Rät das EDA von Reisen in ein Land ab, so richten sich die Reiseveranstalter und die Versicherer danach und verhalten sich entsprechend kulant. Meist kann umgebucht oder kostenlos storniert werden.
Das Abraten von Reisen in ein bestimmtes Land in den EDA Reisehinweisen kann also schwerwiegende finanzielle Folgen für die Reiseindustrie mit sich bringen. Letzten Winter, während den Unruhen in Kenia, sorgten die EDA Reisehinweise für Unmut bei einigen Schweizer Veranstaltern. Während das EDA grundsätzlich von Reisen nach Kenia abgeraten hatte, begnügten sich z. Bsp. die USA, Grossbritannien und Österreich damit, nur einzelne Teile des Landes als Hochrisikogebiet einzustufen. Siehe auch: "Kann man nun nach Kenia reisen oder nicht"?
Top Aktuell ist der Fall Lybien und zeigt auf, wie schnell das gehen kann. Vor ein paar Tagen empörten sich die Angestellten des Luxushotels President Wilson in Genf darüber, wie Gaddafis Sohn seine Hausangestellten behandelt und informierten in mutiger Weise die Polizei. Da der Verdacht auf Körperverletzung gegeben war und es sich dabei um ein Offizialdelikt handelt, schritt die Polizei ein.
Da Gaddafis Sohn, warum auch immer, nicht über einen Diplomatenstatus verfügt, wurde er für kurze Zeit in Polizeigewahrsam genommen. Nun kommt die Retourkutsche aus Libyen: Auszug aus der Tagespresse: Schweizer werden inhaftiert, Büros von Schweizer Firmen wie Nestle und ABB werden versiegelt, die Swiss muss Flüge nach Tripoli annullieren.
Ein Blick auf die heute aktualisierten Reisehinweise für Libyen bestätigt die Annahme:
"...Deshalb wird bis zur Klärung der Lage von Touristen- und anderen nicht dringenden Reisen nach Libyen abgeraten".
Update 28Jul08: Man ist sichtlich bemüht, die Wogen zu glätten. Letzten Zeitungsberichten zufolge soll es sich lediglich um "einfache Körperverletzung" gehandelt haben, was kein Offizial- sondern ein Antragsdelikt darstellt. Es wird nun auch in Frage gestellt, ob Nötigung mit im Spiel war. Vielleicht ziehen die "Antragssteller" jetzt einfach ihre Anträge zurück und damit wäre das Verfahren eingestellt. Dann braucht es nur noch ein "Excuse" Gespräch auf höchster Ebene und die Lybien Krise wäre bewältigt. Bleibt zu hoffen, dass die geschlagenen Hausangestellten am Schluss nicht die Dummen sind.
citytrip.ch 24Jul08





