Es war einmal vor vielen, vielen Jahren in einem fernen Königreich (Kanton Uri).
Ein kleines Mädchen namens Dornröschen lebte glücklich und fidel in den Tag hinein (Andermatt).
Dann brach die Pest über das Land herein und brachte Tod und Verderben (Autobahn).
Zu allem Elend kam noch die Böse Hexe "Innovationslosigkeit" und verzauberte Dornröschen in einen tiefen, jahrelangen Schlaf.
Das Volk war sehr traurig. In seiner Hilflosigkeit wusste es sich nicht anders zu helfen und stellte links und rechts der Autobahn Schilder auf und verteilte Prospekte an den Autobahn Raststätten. Doch das half auch nicht. Das Volk war sehr traurig und musste immer weinen.
Eines Tages kam ein schöner, stolzer Prinz aus der Wüste. Er stieg von seinem Kamel und küsste Dornröschen wach.
Dann kamen Gesandte benachbarter Königreiche, um dem Prinz zu huldigen und Dornröschen zu gratulieren.
Sie feierten ein grosses Fest. Die Steuern wurden gesenkt und alle haben gesungen und getanzt.
Ob Sie den Rest ihres Lebens glücklich miteinander verbracht haben, wissen wir noch nicht……
Als ich zum ersten Mal hörte, dass ein Investor aus Ägypter in Andermatt ein Hoteldorf bauen will, glaubte ich an ein Märchen.
Es sei ein Milliardär aus Ägypten und er wolle das Land vom Militär und von den Bergbauern kaufen um ein richtiges Resort zu bauen, mit allem drum und dran, inklusive Golfplatz.
Niemand konnte seinen Namen richtig sagen: Sawi-Wie, Sawi-Was wie war noch mal sein Name?
Ein touristisches Grossprojekt in Andermatt? Mit Landkauf von den Bauern? „Nie im Leben“, dachte ich und war mit dieser Meinung nicht allein.
In Sachen Innovation und Tourismus machte der Kanton Uri in den letzten Jahrzehnten keine Schlagzeilen. Die grossen Schilder an der Autobahn, die auf das touristische Angebot aufmerksam machen sollten, verfehlten ihren Zweck genau so wie die hilflos anmutenden Prospekte und Informationsangebote an den Gotthard Raststätten.
Abgesehen von ein paar Japanern, die den Geheimtipp der Postauto Linien kennen, trifft man in Andermatt im Sommer kaum auf Touristen. Die alten Andermatter träumen von der Zeit vor der Autobahn, als Reisende noch gezwungen waren, eine Nacht oder zumindest eine Rast auf dem Weg nach Süden einzulegen. Derweil bröckeln die alten Hotelfassaden vor sich hin.
Der Mann, der gekommen ist, um Andermatt und den ganzen Bergkanton aus einem touristischen Dornröschenschlaf wach zu küssen, heisst Samih Sawiris.
Er entstammt nicht nur der reichsten Familie aus Ägypten, sondern er ist auch eine starke Persönlichkeit mit grosser Ausstrahlung. Er muss wohl auch über hervorragende Berater verfügen. Wie sonst soll ausgerechnet ein Investor aus Ägypten in Andermatt ein Resort bauen können? Das Urserental ist ja schon rein topografisch für seinen Weitblick bisher nicht sonderlich berühmt geworden.
Die Presse war Herrn Sawiris von Anfang wohlgesinnt und es wurde an alles gedacht, den „Wettbewerbsnachteil“ seiner Herkunft ins rechte Licht zu rücken. So stand zum Beispiel in den Zeitungen geschrieben:
Ich zitiere:
“Samih Sawiris, der Geschäftsmann aus Ägypten, entstammt einer Familie koptischer Christen“
Und ich ergänze die damit verbundene Suggestion:
„und ist nicht etwa ein Moslem“
Heute schert sich niemand mehr um seine religiöse Ausrichtung und auch der Support der Presse ist nicht mehr ganz so wichtig.
Sogar aus St. Moritz kommt man, um ihm die Zusammenarbeit anzubieten. Man sucht Gemeinsamkeiten und findet diese zum Beispiel im Glacier Express. Schon bald dürfte es also heissen: Glacier Express: St. Moritz – Andermatt – Zermatt.
Andermatt, St. Moritz und Zermatt in einem Atemzug? Gestern noch hätte niemand gedacht, dass das möglich ist.
Apropos gleicher Atemzug. Wie wär’s mit Altdorf/Kairo? So jedenfalls beginnt die Pressemitteilung, die den Börsengang des Sawiris Unternehmen ankündigt.
Grosses Selbstbewusstein beherrscht den Kanton und man sieht sich schon als künftiges Steuerparadies. Damit befindet man sich in der Zentralschweiz in bester Gesellschaft. Haben wir doch bereits Zug, Schwyz, Ob- und Nidwalden, die alle um die Gunst der Unternehmen buhlen. „Urschner Haarus“ kann ich da nur sagen. Wir Luzerner sind also jetzt die letzten Innerschweizer, die noch eine vernünftige Steuerpolitik betreiben!
Die Urner würden Herrn Sawiris wohl am liebsten „Sämi“ nennen. So gern haben Sie ihn. Sie erlauben ihm und seiner Andermatt Alpine Destination sogar, sich in das ehemalige Frauenkloster St. Karl in Altdorf einzumieten. (Recht so!)
Ob soviel Liebe, ist es für „Sämi“ aus Ägypten jetzt aber doch an der Zeit, ein paar Sachen klar zu stellen:
Zitat aus der Neuen Luzerner Zeitung, 26. März 2008:
Sawiris bleibt Ägypter
Die Steuern seien übrigens nicht der Hauptgrund , warum Sawiris seinen Unternehmenssitz in die Schweiz verlegt. Auch verspüre er selbst keinen Drang, seinen offiziellen Wohnsitz in die Schweiz zu verlegen. „Ich bin Ägypter, meine Familie ist dort, meine Verwandschaft, auch mein Herz“, so Sawiris. Er fühle sich wohl in Ägypten.
Ob wir Ihn trotzdem „Sämi“ nennen dürfen ?
---
Link zu einem kritischem Blog zum Thema
---
citytrip.ch 14Apr08 - Ralf






