Dieser Blogbeitrag wurde von Supertext.ch produziert, geschrieben von Manuela, Texterin und Balkan-Expertin.
Im Herzen des Balkans ist kein Ort für Menschen auf Diät.
Nirgendwo auf dem Balkan sind die Torten verlockender und die Kaffees süsser als in Sarajevo. Die Hauptstadt Bosniens bezaubert aber nicht nur mit ihren Leckereien. Sarajevo erstreckt sich in einem Tal, umgeben von den olympischen Bergen Jahorina, Bjelašnica, Igman und Trebevic, die zum Skifahren und Wandern einladen. Sarajevo liegt auch zwischen Westen und Osten und vereint das kulturelle Angebot einer modernen City mit der Gastfreundschaft einer euro-orientalischen Kleinstadt.
Um sich überhaupt für ein paar Tage niederzulassen, kontaktiert man Miki, der Zimmer sowohl in gediegenen Hotels vermittelt als auch in einfachen, meist zentral gelegenen Privatwohnungen. Empfehlenswert ist etwa das Hostel Marko Polo keine 20 m über der Altstadt Baščaršija, wo jeder Stadtbummel beginnt. In dem während osmanischer Herrschaft erbauten Viertel verführen die Holzbuden der Gold-, Kupfer- und Silberschmiede zum Souvenir-Shopping. (Da man sich hier in einem Basar befindet, ist Feilschen Pflicht!) Es verführt hier auch die traditionelle Küche mit Burek und Ćevapi zu einem Imbiss. Der taubenbevölkerte Marktplatz mit dem Sebilj-Brunnen lädt ebenso zum Verweilen ein wie die grösste und vielleicht schönste Moschee des Landes, die Gazi-Husrev-Beg-Moschee, deren Minarett 47 m in den Himmel ragt.
Nach einem kurzen Abstecher zu der Stelle, wo 1914 mit der Ermordung Franz Ferdinands der Erste Weltkrieg ausgelöst worden war, setzt man in der gleich anschliessenden Flaniermeile Ferhadija seinen Spaziergang fort. Hier, wo sich Boutiquen an Bars reihen – da ist etwa die hype Kaffeebar und Buchhandlung Buybook gleich neben der Art Gallery of Bosnia and Herzegovina –, zeigt sich Sarajevo moderner als in Baščaršija, aber kulturell nicht minder spannend: In friedlicher Nachbarschaft zueinander stehen eine jüdische Synagoge, eine katholische Kathedrale, eine serbisch-orthodoxe Kirche und eine der 700 weiteren Moscheen der Stadt. Die Fussgängerzone endet beim Ewigen Feuer, dem Denkmal für die Opfer des Zweiten Weltkriegs.
Nun wird es Zeit für einen schwarzen, türkischen Kaffee, der einem, wenn man Glück hat, aus einem kupfernen Kännchen in ein winziges Tässchen gegossen wird. Im zweistöckigen Café Imperijal an der Maršala Tita, um 1920 im Stil eines Wiener Kaffeehauses erbaut, lässt sich ein solches Glück finden; hier locken nun auch die mehrstöckigen Torten. Auf rotem Samt trifft sich Jung und Alt, und im Gespräch mit den freundlichen Stadtbewohnern erfährt man manche interessante und traurige Geschichte.
Denn Sarajevo ist auch eine verwundete Stadt. Der Jugoslawienkrieg hat seine Spuren hinterlassen. Während den drei Jahren Belagerung bot ein improvisierter Tunnel, der ein Stück weit noch zu besichtigen ist, den einzigen Flucht- und Versorgungsweg. Und nicht nur die Hausfassaden erzählen vom Krieg, sondern auch die zahlreichen, ab Mitternacht geöffneten Kellerbars, die während der Belagerung, anstatt Jazz- und Rockmusik zu bieten, vor Granaten schützten.
Doch Sarajevo geht sichtlich vorwärts, ja, rennt geradezu der Zukunft entgegen. Es herrscht eine übermütige Aufbruchstimmung, die Menschen sind humorvoll, offenherzig und grosszügig. Gut möglich, dass man fülliger als geplant aus Sarajevo abreist. Vielleicht kehrt man aber auch reicher an Freundschaften zurück.
© Photos - mit freundlicher Genehmigung von
Tourism Association of Sarajevo Canton (Offizielle Tourismus Webseite)
Branilaca Sarajeva 22/IV,
71000 Sarajevo,
BiH
Tel: +387 (0) 33 25 02 00
Weitere Links für Tourismus und Kultur
Tourism Association of Bosnia and Herzegovina (Offizielle Tourismus Webseite)
Baščaršija-Festival im Juli
Filmfestival im August
Sarajevo-Winterfestival
Jazzfest Sarajevo
citytrip.ch 03Mär08
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