Dieser Eintrag erscheint als Gastbeitrag im Rahmen des Adventskalender von swissblogpress.
Wer in alltäglichen Dingen versucht ein möglichst umweltverträgliches Leben zu führen, der wird auch auf Reisen mehr Wert auf Energieeffizienz als auf „Klimakompensation“ legen. Was aber nicht bedeuten soll, dass man die Klimaschutzprogramme nicht mit einem Beitrag unterstützen soll.
Ein direkter Vergleich der Engergieeffizienz und der damit zusammenhängenden Umweltbelastung pro Personenkilometer ist sehr schwierig. Die Transportmittel basieren auf verschiedensten Modellen und sind sehr unterschiedlich ausgelastet.
Hier ein paar Beispiele unterschiedlicher Verhältnisse:
- Ein vollbesetzter Toyota Hybrid verbraucht pro Personenkilometer weniger Treibstoff als eine Person in einem Jaguar.
- Ein vollbesetztes Flugzeug der neuesten Generation braucht pro Personenkilometer weniger Treibstoff als eine halbleere Caravelle.
- Ein 45 Kilogramm schweres Supermodell benötigt zur Fortbewegung weniger Energie als ein 130 kg schwerer Sumo-Kämpfer.
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Schadstoffbelastung im Marketing
Den Umstand der schwierigen Berechenbarkeit machen sich die Transportträger zunutze. Jeder
versucht sein Transportmittel ins Rechte Licht zu rücken und es wird auch mal
etwas geschummelt. So hat der Chef einer europäischen Airline kürzlich
behauptet, dass das Flugzeug für Reisen über 350 km, das am besten geeignete
Transportmittel sei. Ich glaube das nicht! Ich glaube auch nicht, dass der Reisebus umweltverträglicher als die Bahn ist, wie neulich in einer Car Publikation zu lesen war.
Solange für die einzelnen Transportmittel keine wirklich nachvollziehbaren Faktoren für die
Bemessung von Schadstoffbelastung pro Personenkilometer existieren, sollte man
mit solchen Vergleichen sehr vorsichtig sein und verlässt sich besser auf den
gesunden Menschenverstand.
Die Umweltverträglichkeit einzelner Transportmittel
Ohne die zu zurückzulegende Strecke zu berücksichtigen und ohne wissenschaftliche Grundlage würde ich in punkto Umweltverträglichkeit folgende Transportmittel favorisieren:
- Die Bahn
- Den Reisebus
- Das Schiff
- Das Flugzeug
- Das Auto
Das geeignete Transportmittel je nach Distanz
Wenn man die Distanzen und die Transportmittel gegenüberstellt, so ergibt sich aus meiner Sicht folgendes Bild:
- Bis zu ca. 600 km ist die Bahn oft das am besten geeignete Transportmittel.
- Ab ca. 500 - 600 km (und je nach Angebot) ziehe ich das Flugzeug vor.
- Das gilt nicht für Strecken mit Nachtzugverbindungen und High-Speed-Zügen.
Über Nachtzug-Verbindungen
Mit dem Nachtzug kann man in einer Nacht gut und gerne Strecken bis ca. 1200 km
zurücklegen. Mit Ausnahme von City Night Line, einer Tochterunternehmung der
Deutschen Bahn, vernachlässigen aber fast alle europäischen Bahnen ihre
Nachtzüge. Vielerorts ist das Rollmaterial erneuerungsbedürftig und das Image
angestaubt. So werden Strecken, z. Bsp. nach Süditalien eingestellt.
Nachtzugverbindungen entsprechen ganz klar einem Kundenbedürfnis und ich selbst
bevorzuge den Liegewagen. Weitere Möglichkeiten sind die Reise im Schlafwagen
oder Ruhesessel. Für sehr empfehlenswert halte ich die Reisevariante: Mit dem Nachtzug hin und
mit dem Flugzeug zurück. Viele europäische Bahnen haben den „Nachtzug als Chance“ noch nicht wiederentdeckt und müssen wachgeküsst werden.
Die Illustration soll aufzeigen, dass Nachtzüge und Superschnellzüge auch auf
Distanzen über 600 km eine gute Alternative zum Flugverkehr bieten können.
Über Superschnell-Züge
Mit den modernen Schnellzügen kann man heute bequem z. Bsp. von Zürich nach Paris und weiter nach London reisen. Zuerst gehört natürlich TGV erwähnt, der Pionier der Superschnellzüge. Der deutsche ICE ist auch nicht von schlechten Eltern und soll schon bald bis nach Kopenhagen fahren. Dann gibt es den Eurostar, der unter dem Ärmelkanal durch, England mit Frankreich verbindet und am Geschäftsreiseverkehr zwischen London und Paris einen Marktanteil von sagenhaften 70 % hält!
Über Reisebusse
Viele Leute wissen nicht, dass es konzessionierte Buslinien gibt, die fahrplanmässige Punkt zu Punkt Verbindungen anbieten, wie z. Bsp. Alsa-Eggmann/Eurolines. Die Umweltverträglichkeit von Reisebussen würde ich gleich nach der Bahn ansiedeln. Eine Busreise würde ich für Strecken bis ca. 800 km, vielleicht sogar 1000 km in Erwägung ziehen.
Dann gibt es noch den Schiffsverkehr und die Fähren, die im interkontinentalen Personenverkehr aber eine untergeordnete Rolle spielen. Erwähnenswert sind die Frachtschiffreisen.ch / Globoship.
Über Flugreisen
Die Flugindustrie verursacht 2 – 3 % der weltweiten CO2 Belastung, wird aber unverhältnismässig stark ins Gericht genommen. In jedem Zeitungsartikel über Klimaschutz wird der Flugindustrie in die Suppe gespuckt, während andere „Sünder“ einfach ungeschoren davonkommen. Es ist nun mal so, dass es für die meisten Arten von Langstreckenreisen gar keine Alternative zum Flugzeug gibt. Es bringt also nichts, die Flugindustrie zu verteufeln. Vielmehr sollte jeder Ferienreisende für sich selber überlegen, ob er für Fernreisen nicht besser 3 als nur 2 Wochen Ferien einplanen sollte. Geschäftsreisende sollten versuchen, ihre Reisen zu bündeln und wenn immer möglich durch Videokonferenzen zu ersetzen.
Stephan äussert sich in seinem Finanz Blog über den Bali Rummel und ich frage mich ernsthaft, ob man diesen Weltklimagipfel nicht besser und glaubwürdiger als Videokonferenz abgehalten hätte?
Abschliessend möchte ich sagen, dass jeder für sich selber seine Ökobilanz machen sollte. Wenn er das für ihn geeignete Transportmittel gewählt hat, möge er seine Reise unbeschwert geniessen.
citytrip.ch 17Dez07/rf










Ein sehr interessanter Beitrag. Danke.
Kommentiert von: A-A-Reisen | 23. April 08 um 18:23 Uhr
Danke für die nützlichen Informationen.
Kommentiert von: CREATIONPOOL | 24. April 08 um 17:42 Uhr